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Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
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ſchrie er.Er hat Grundſätze, Mama, und iſt doch am Ende kein Pinſel. Verſteht ſich, mein Herzensjunge! Es bleibt bei uns, das arme Kind. Vor der ganzen Welt wollen wir hintreten und ihr zeigen, was Grundſätze ſind, aus denen dergleichen Wirkungen hervorgehen!

Dabei deutete er auf die Mama, welche Julie umſchlun⸗ gen hielt und küßte, und während die dicken Thränen über ihr gutmüthiges Geſicht rollten, zu ihr ſagte:Verzage nur nicht, Du armes Herz, es wird ja Alles noch gut werden. Es richtet ſich ja die Blume wieder auf, wenn der Sturm vorüber iſt; wir wollen Alle tröſten, Alle helfen.

Julie weinte leiſe; ihre Thränen floſſen zum erſten Male wieder. Sie war unvermögend, zu ſprechen; krampf⸗

haft feſt umſchlang ſie ihre Beſchützerin.Nehmt ſie hin, rief Wilhelm, indem er ſeinen Vater zu ihr führte.Liebt ſie, ſie wird Euch die Liebe vergelten. Dankbar, uner⸗ müdlich wird ſie eine gute Tochter ſein!

Und als es Herbſt wurde, begab es ſich, daß in dem größten Zimmer der Wohnung des Herrn Daniel Frohlieb eines ſchönen Tages ein feſtlich gedeckter Tiſch prangte, wel⸗ cher froher Gäſte harrte. Herr Frohlieb ſelbſt ging daneben auf und nieder, betrachtete Alles und betrachtete ſich ſelbſt

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1859. IV. Täuſchung und Wahrheit.

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