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Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
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äußerſt freudig, denn er war angethan mit einem neuen Leibrocke, ſchwarz, fein und mit weiten Aermeln, nach dem neueſten Schnitt, und an der andern Seite ordnete die kleine Frau mit Feldherrnblicken noch hier und dort, was nicht nach ihrem Sinne; doch auch ſie rauſchte in neuer, ſchwerer Seide daher, und auf ihren halbergrauten Locken ſaß eine prächtige Spitzenhaube mit langen flatternden Bändern.

Herr Frohlieb ſah ungemein ſchalkhaft aus, als er ſtille ſtand und, den Finger an ſeine Naſe gelegt, zu ſprechen begann.Und dieſes iſt der mercantiliſche Standpunkt dieſer Frage, Mamachen, begann er,daß, wenn wir da⸗ mals Wilhelm's Hochzeit gefeiert hätten, jetzt mein Rock und Dein Kleid ein alter Rock und ein altes Kleid ſein würden, auch wir nicht an dieſer lieblichen Tafel ſitzen und Vivat ſchreien könnten, daß der Kalk von den Wänden fällt.

Schweige Du doch ſtille mit Deinem mercantiliſchen Standpunkte, Daniel! lachte die kleine Frau.Es wäre ein Unglück geweſen, Wilhelm wäre ein verlorner Menſch geweſen, und an unſerer lieben Julie hätten wir niemals ſolche Freude erlebt, Vater, wäre Dein mercantiliſcher Standpunkt in Richtigkeit gekommen.

Allerdings, Mama! erwiederte Herr Frohlieb

gravitätiſch,es ſind einige Conjuncturen plötzlich ein⸗

getreten, die jeden Standpunkt verändern mußten. Allein