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Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
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da, als ein Pinſel, der niemals wagen wird, den Mund aufzuthun.

Eben trat der Geſcholtene herein.Da kommen ſie Beide! rief die Mama aufſpringend.

Unſere geliebten Kinder! ſchrie Herr Frohlieb, in⸗ dem er ſich umdrehte.Thereschen! Aber indem er dies ſagte, fielen ſeine Arme nieder; die Täuſchung konnte nicht lange anhalten.

Die ſchwankende Geſtalt am Arme ſeines Sohnes und das bekannte bleiche Geſicht machten ihn beſtürzt, allein Wilhelm ließ ihm keine Zeit, zu einer Vorſtellung zu kom⸗ men.Hier iſt Julie, ſagte er.Ihr Vater iſt todt, er hat Hand an ſein Leben gelegt, als ſich herausſtellte, daß er Veruntreuungen begangen. Ich bringe Zulien zu Euch, denn ſie bedarf Hülfe, Troſt und Vater⸗ und Mutterherzen. Mutter, in Deine Arme lege ich ſie, Du wirſt die Unſchul⸗ dige beſchützen. Ihr Vater war Dein Freund und Ver⸗ wandter, Vater. Was er auch that, Du haſt Julien immer lieb gehabt; Du wirſt ſie nicht in ihrer Noth verlaſſen.

Herr Frohlieb ſtand, die Hand an ſein Kinn gelegt, und ſah ſeine Frau an.Allerdings, gewiß! ſtotterte er.Aber es iſt ja nicht möglich! Und Du mein Gott! Mama! Wir wollten ja ſoeben gehen, Wilhelm! 4

Die Wohnung iſt verödet, es wird Alles darin unter Siegel gelegt werden.