Druckschrift 
Täuschung und Wahrheit : eine Geschichte aus dem Leben / von Th. Mügge
Entstehung
Einzelbild herunterladen

was iſt denn los? Warum ſoll eine junge, ſchöne Wittwe

nicht in meine klaren Augen ſehen? Warun ſoll ich ihr

meine mir von Gott gegebenen Vorzüge nicht begreiflich

machen?

3Mache es nur nicht zu arg, Vater, ſagte die kleine rau.

Mache ich es zu arg, liebſte, ſchönſte Frau? lachte Herr Frohlieb.Wenn es wahr ſein ſollte, bitte ich aller⸗ unterthänigſt um Verzeihung. Aber ich mache es nicht zu arg, ſondern mein Junge, der Wilhelm, macht es zu arg, eben weil er nicht die richtige Leber beſitzt und um deſſent⸗ wegen ein dickblütiges, vergeßriges und ungeſundes We⸗ ſen iſt.

Wie kannſt Du ſolche Lügen ſagen, Daniel? fiel die kleine Frau eifrig ein.Glauben Sie es ihm nicht, Thereschen. In ſeinem ganzen Leben iſt Wilhelm noch niemals krank geweſen.

Inwendig, verſetzte Herr Frohlieb kaltblütig;aus⸗ wendig nicht, aber inwendig iſt er ſchwer krank. Da ſo hier! Er legte beide Hände auf ſeine linke Bruſt und machte ein jämmerliches Geſicht.

Aber ſitzt denn da die Leber? fragte die junge Wittwe.Da ſitzt ja das Herz!

Wie? antwortete Herr Frohlieb mit ſchalkhaftem Erſtaunen.Wirklich? Wiſſen Sie das gewiß? Sollte