Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

Gott gefleht, ich wußte, daß er Sie zu uns ſen⸗

den würde.

Wollte Gott, erwiederte Trifels gerührt,daß ich ihm mehr als Troſt, daß ich ihm Rettung brin⸗ gen könnte!

Sie ſchüttelte den Kopf.Er ſchläft, ſagte ſie. Der Herr über Tod und Leben hat ihm Ruhe ver⸗ liehen ſanft wie ein Engel ſeines Himmels liegt er, und ſtärkt ſich zu ſeinem Kampfe.

Sie wich dabei zur Seite, helleres Licht fiel auf die Kiſſen. Da lag Andreas Herzberg, und es

war, wie ſeine Mutter geſagt hatte, er ruhte ſo friedlich, er ſchlief ſo ſüß und feſt, wie er ſeit Jah⸗

ren nicht geſchlafen. Sein ſchwarzes langes Haar breitete ſich über die weiße Betthülle aus, ſeine hohe Stirn war frei, ſein blaſſes Geſicht nicht mehr beun⸗ ruhigt von ſtuͤrmiſchen, wilden Gedanken und dem düſteren Feuer ſeiner Augen. Um den Mund ſchwebte

ein leidendes, ſchwaches Lächeln, und ſeine zarten

Hände, die auf der Bettdecke ruhten, ſchienen etwas zu umſchließen, das zwiſchen ſeinen Fingern lag. Es

war, als träumte der arme Knabe einen ſchönen

Traum, der ihm noch einmal ein Leben voll Ruhm und Luſt vorſpiegelte, und während der ſchwarze Gott der Finſterniß ſchon an ſeinem Lager ſaß und die