201
war ſie hier,“ ſagte Marie,„und lieferte dem Herrn von Trifels, der ſich bei uns befand, einen Brief ab.“
„Er hat ihn alſo bekommen,“ flüſterte Andreas.
„Richtig bekommen, ja!“ ſagte Frau Hartmann, „und wird ſich hüten, ſich je wieder mit Ihnen einzulaſſen.“
„Das iſt nicht unſere Sache, Mutter!“ fiel Marie ein.
„Unſere Sache iſt es nicht, nein! Gott ſei Dank, daß es nicht unſere Sache iſt! Aber wenn ich einen Sohn hätte, und er machte es ſo, betrüge ſich ſo.
„Sie können das nicht beurtheilen!“ rief An⸗ dreas rauh.
„Nicht beurtheilen! Einer iſt ſo viel werth wie der Andere!“ ſchrie ſie zornig.
„Baſta!“ ſagte der Meiſter, indem er aufſtand und ein paar große Schritte that, die ihn vor den kleinen, ſchwächlichen Muſiker brachten. Der greiſe, gewaltige Mann richtete ſich drohend vor ihm auf, aber es war etwas, das ſeinen Unwillen mäßigte. Die Fühlloſigkeit, die aus den dunklen großen Augen des jungen Menſchen ihn anſtarrte, überraſchte ihn; dabei ſtimmte das kranke, bleiche Geſicht ihn milder. —„Wir haben nicht nöthig, mit einander zu ſtrei⸗ ten,“ ſagte er;„es iſt jedes Menſchen Sache, das zu


