— 41
in Norwegen ſehen, aber vielleicht wirſt Du doch endlich mit Mary übereinſtimmen, die Laurwig für das herrlichſte Gebilde Gottes hält, mit Ausnahme des Ortes, wo ſie jetzt wohnt.
„Und wo iſt meine Couſine eigentlich?“ fragte der junge Mann.
„Sie iſt verreiſet? Seit einigen Tagen iſt ſie nach meinem Hofe Guldholm gefahren,“ war die Antwort,„der am Tindſee liegt, wo wir jährlich ein paar Wochen verweilen. Ich, um nach meinen Holzlagern und Wäldern zu ſehen, Mary um in der friſchen Bergluft Tellemarkens ſich zu ſtärken. Du mußt jedoch nicht glauben,“ fuhr er lächelnd fort,„daß ſie ein blaſſes Püpp⸗ chen iſt, die auf's Land geht, um Farbe zu bekommen, welche ihr den Winter über auf Bällen und Feſten verloren gegangen iſt. Mary wird Dir gefallen, Heinrich. Sie hat Deine Briefe geleſen und erwartete Dich mit Freuden. Da Du zu lange ausbliebſt, wird ſie Dich in Guldholm empfangen. Ruh' aus, müde wirſt Du ſein; die Sonne iſt unter, alſo zehn Uhr vorüber. Noch ein Glas ſtoß an: Willkommen in Norge und doppelt willkommen in meinem Hauſe!“
Als Heinrich von Warfſtein allein war, überkamen ihn mancherlei Gedanken, die ſich gegen Ermüdung und Schlaf an— ſtemmten. Er war wohl empfangen, wohl aufgenommen worden und vor ihm lag eine Zukunft, die mit ihren Erwartungen in ſein erregbares Herz drang. Der reiche Vetter in Laurwig hatte nicht umſonſt nach ſo langen Jahren die Verbindung mit ſeinen deutſchen Verwandten wieder angeknüpft, nicht umſonſt gefordert, daß ſein junger Verwandter ihn beſuchen möge. Der deutſche


