Druckschrift 
Geschichte der Camisarden / von Friedrich Schulz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

ihren Hoͤhlen uͤberfallen, oder bei der Zuruͤckkunft aus denſelben uͤberraſcht und grauſam gemißhan⸗ delt wurden, fuͤgten ſie ſich mit einer Gelaſſen⸗ heit darein, die um Gotteswillen alle Martern duldete, wenn ihre Verfolger um Gotteswillen alle Martern uͤber ſie verhaͤngten.

Einer der unerbittlichſten und grauſamſten unter leztern war der Abbe von Chaila. Einmal hatte er gehoͤrt, daß die Reformirten eine Verſammlung in der Nachbarſchaft des Dorfes Pont de Montvert hielten. Er verlangte und erhielt eine Anzahl Soldaten, die ſich in Hinter⸗ halt legten, und als die Verſammlung geendigt war, gegen ſechzig Hugenotten aufgriffen. Vor der Hand ließ der Abbe einige davon henken und die uͤbrigen auf das Schloß fuͤhren, das er be⸗ wohnte.

Traurige Zufaͤlle dieſer Art waren in den Sevennen nicht ſelten geweſen. Sie hatten den dabei verwickelten Familien, Leiden und Kummer gemacht, doch ohne ſie zu Thaͤtlichkeiten aufzu⸗ regen. Auch jezt, da einige der Gefangenen, die Mittel gefunden hatten zu entfliehen, ihren Glau⸗ bensgenoſſen Nachricht von der Unmenſchlichkeit des Chaila gaben, antwortete der große Haufen nur mit Seufzern und Thraͤnen darauf. Aber mitten unter ihnen ſtand ein junger Mann ſprach⸗ los, ohne Gefuͤhl und Bewegung wie es ſchien, aber im Herzen wilde Verzweiflung, eine Zeitlang