—
——„——ää—
551
Als er um ſeine Freiheit und um einen paſſenden Anzug bat, theilten ihm ſeine Freunde mit, es ſey unbedingt nöthig, daß vorder⸗ hand ſeine Hüter nichts von ſeiner Wiedergeneſung erführen; wenn er ſich aber in allen Dingen gehorſam zeige, ſo ſtehe für ihn als⸗ baldige Befreiung zu hoffen. Namentlich riethen ſie ihm, wenn der Aufſeher demnächſt ſeine Runde mache, ſich recht ſtöckiſch anzuſtellen und um keinen Preis zu ſprechen.
Freiheit!— dieſes Wort drang wie ein friſch hervorſprudelnder
1 Quell in ſeine ſieberige Seele. Er verſprach Alles, worauf Su⸗
ſanna ſeine Hand küßte und von dannen ging. Der unglückliche Mann verfolgte ſie mit ſeinen Blicken und ſchauderte in banger Ahnung, als ſie verſchwunden war. Endlich wandte er ſich an Grim und ſagte:
„Lieber Vater, darf ich ein wenig ſprechen?“
„Nein, Ihr müßt an Euch halten— ich bin einer der Wärter und habe die Weiſung, Euch ſchlimm in die Mache zu nehmen, wenn Ihr Euch nicht ruhig verhaltet.“
*
„O ewiger Gott! Iſt es ſo weit gekommen? Aber ich will
reden, und wenn Ihr— Ihr— mein treuſter Freund— mein alter Vater— mir dafür das Herz aus der Bruſt reißen wolltet — ja, ich will reden. Wohin iſt Suſanna gegangen?“
„Der Engel ſieht nach den übrigen Patienten. Jack, haltet Euer Maul und hole Euch der Teufel; wenn Jemand kommt, ſo merkt wohl, Ihr müßt eine boshafte Miene machen oder ſo etwas. Gott ſegne Euch, mein lieber Junge, glaubt Ihr, daß ich je hätte Hand an Euch legen können? Nein, mein Herz— wenn Ihr am wildeſten rastet, ſo hielt ich Euch nur in meinen Armen und ver⸗ ſuchte Euer Geſchrei durch meine eigene Stimme zu erſticken. Dieſer Riemen hat Euch noch nie berührt, obſchon ich genöthigt bin, ihn ſtets bei mir zu führen. Nein, ſeyd ſtill— ich kann wohl reden— aber wahrhaftig, ich würde nichts davon erfahren haben, daß Ihr das Kommando Eures Steuers verlort, wenn nicht Su⸗ ſanna geweſen wäre.“
—
—
—
——


