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Ich war ſchon wieder im Begriff, mich zu vergeſ⸗ ſen, und mich über die Gabe gekränkt zu fühlen; ich beſann mich indeß und ſagte, das Geldſtück annehmend: „ein armer Tagelöhner, Sir.«
„Wie, mit ſolchen Händen?« ſprach er, ſie betrach⸗ tend, als ich das Geld nahm. Dann ſah er mir in das Geſicht und fuhr fort:»Ich glaube, wir haben uns ſchon einmal geſehen, mein Freund— ich kann mich irren; Du mußt es am beſten wiſſen— ich bin ein Friedensrichter.«
Sogleich entſaun ich mich, daß ich denſelben Frie⸗ densrichter vor mir ſah, vor welchem ich ſchon zwei Mal erſchienen war. All' mein Blut ſtieg mir in das Geſicht, und ich ſchwieg verlegen.
»Nun, Freund, ich ſitze jetzt nicht zu Gericht, und
Du haſt dieſen halben Schilling ehrlich verdient. Ich
hoffe, daß Du von dem rechten Wege nicht abweichen wirſt. Sei vorſichtig— ich habe ſcharfe Augen.“ Mit dieſen Worten ritt er davon. 1
Nie fühlte ich mich ſo gedemüthigt. Er hatte mich offenbar für einen Verkleideten gehalten, der mit un⸗ würdigen Abſichten umginge: vielleicht für einen der vornehmeren Gauner, der es für zweckdienlich gehalten, ſich unkenutlich zu machen.»Ja, ja,“« dachte ich, et⸗ was Schmutz von der Straße aufnehmend, um meine weißen Hände damit zu reiben;»es iſt nun einmal mein Loos, Glauben zu finden, wenn ich täuſchen, und Mißtrauen zu erregen, wenn ich redlich handeln will. ⸗
Ich kehrte nach der Bank zurück, um mein Bündel
aufzunehmen, welches— fort war. Erſtaunt ſtarrke
ich nach der leeren Stelle hin.»Iſt es möglich?⸗
dachte ich.»Wie unredlich ſind doch die Menſchen! Nun, für das Erſte werde ich keines wieder tragen.


