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ich mußte bemerken, daß man ſelbſt dort, obgleich ich als ein Schützling des Lords geduldet wurde, ſorgfältig Alles vermied, was über die gewöhnliche Höflichkeit hinausging, damit keine Vertraulichkeit daraus ent⸗ ſtände. 4
Maſterton, den ich bisweilen beſuchte, ſah, daß ich unwohl und verſtimmt war. Er ſprach mir Muth ein, doch ach! wer, mit Zartgefühl begabt, die Verachtung der Welt ertragen kann, muß mehr als ein ſchwacher Menſch ſein. Der arme Timotheus, der mehr, als ir⸗
. gend ſonſt Jemand, Gelegenheit hatte, meinen trauri⸗ gen Gemüthszuſtand zu beobachten, tröſtete vergeblich. „Das iſt nun,“ dachte ich,»der Lohn der Tugend und Ehrlichkeit! In Wahrheit, die Tugend muß ihren Lohn in ſich ſelber tragen, denn einen andern empfängt ſie nicht. So lauge ein falſcher Schein mich umgab, und ich die Welt ſich ſelber täuſchen ließ, wurde ich gefeiert und auf den Händen getragen. Jetzt, da ich die Maske von mir geworfen und das Gewand der Wahrheit angelegt habe, wird mir Verachtung und Hohn zu Theil. Doch iſt nicht Alles meine eigene Schuld? Gleichviel, ob ich ſelber die Maske abge⸗ nommen habe oder ob ſie mir abgeriſſen iſt, es bleibt doch wahr, daß ich ein falſches Spiel geſpielt, und jetzt werde ich dafür geſtraft. Was kümmert es die Welt, daß ich ihr endlich die Wahrheit enthüllt! Ich habe ſie getäuſcht, und das iſt eine Beleidigung, die durch keine Reue verringert wird.«
Es war nur zu wahr, daß ich mir Alles ſelbſt zu⸗ gezogen, und dieſer Gedanke vergrößerte mein Elend. Ich erhielt eine ſtrenge und gerechte Züchtigung für meine Unredlichkeit, und es ſtand dahin, ob ich für meine ſpätere Ehrlichkeit belohnt werden würde; ich
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