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Ich war ſchmächtig, zwiſchen funfzehn und ſechszehn Jahr alt, ſehr groß für mein Alter, und hatte keinen Grund, mich meiner Figur zu ſchämen. Ich hatte große glänzende Augen, eine leicht gebogene Adlernaſe, eine hohe Stirn, und weiße Hautfarbe, aber ſehr dunk⸗ les Haar. Ich fiel immer wegen meiner Haut und Hautfarbe, weil ſie ſo äußerſt rein waren, auf; meine Zähne waren klein, aber durchſichtig, und mein Kinn zeigte ein ſehr tiefes Grübchen. Gleich allen angehen⸗ den Apothekern hatte ich Ausſehen und Miene, wenn nicht der Weisheit, doch deſto gewiſſer der Selbſtge⸗ nügſamkeit, was bei der Welt eben ſo viel zu thun pflegt. Meine Stirn war glänzend und ſehr weiß; meine dunkeln Locken kämmte ich ſyſtematiſch und mit einer Regelmäßigkeit zurück, welche ſo deutlich, als Haar vermochte, verkündete:»der Eigenthümer dieſer Locken thut Alles nach gemeſſener Vorſchrift und Regel.⸗ Ich faltete mit meinen langen Fingern die kleinen Packete mit einem ſo nachdenklichen und imponirenden Weſen, wie das eines Miniſters iſt, der ſo eben ein ſo unend⸗ liches als unverſtändliches Protokoll überreicht hat; und der Blick feierlicher Würde) womit ich den Inhalt der einen Flaſche in eine andere goß, würde dem Arzte des Königs, der den Geſalbten des Herrn in articulo mortis bewacht, ſehr wohl geſtanden haben.
Ich pflegte ein offenes Buch auf dem Ladentiſche neben mir liegen zu haben; nicht einen beſchmutzten, abgegriffenen Band, eben ſo wenig ein elegantes Ma⸗ roquin⸗Büchelchen, ſondern ein gutes, ehrliches, 3hen ausſehendes, Weisheit gefülltes Buch, gewaltig vollge⸗ ſtopft mit Benennungen von Apotheker⸗Waaren und lateiniſchen Wörtern, neben welchen man hier und da
auch die griechiſchen Krähenfüße bemerkte. Mit Einem


