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entgegen. Als ob ein Blitz ſeinen Geiſt durchzuckt hätte, fuhr der Kapitän des Schiffes zuſammen, faltete ſeine Hände, fiel auf die Kniee nieder und weinte.
„Mein Sohn! mein Sohn!“ rief er, wieder aufſtehend und ſich in Philipps Arme werfend.—„Meine Augen ſind geöffnet; der Allmächtige weiß, wie lange ſie verdunkelt waren.“
Sie umarmten einander und gingen nach dem Hinterſchiff, von der Mannſchaft weg, die noch immer auf der Laufplanke verſam⸗ melt ſtand.
„Mein Sohn, mein edler Sohn! ehe der Bann gebroch iſt— ehe wir der Nothwendigkeit gehorchen und uns in die Ele⸗ mente auflöſen— laß mich voll Dank und Zerknirſchung nieder⸗ knieen. Mein Sohn, mein Sohn, nimm den Dank eines Vaters,“ rief Vanderdecken.
Dann wandte er ſich mit Thränen der Freude und Reue de⸗ müthig an das Weſen, dem er einſt ſo frechen Hohn geſprochen hatte. 8
Der ältere Vanderdecken kniete nieder und Philipp that das Gleiche. Sie hielten ſich noch immer mit einem Arme umfaßt, während ſie den andern hoch im Gebete erhoben.
Zum letztenmale wurde die Reliquie aus Philipps Bruſt ge⸗ nommen und dem Vater eingehändigt— dieſer erhob die Augen gen Himmel und küßte ſie. Und mit dieſem Kuſſe zerfielen die langen oberen Spieren des Geiſterſchiffs, die Raen und die Segel in Staub, der in der Luft flatterte und zu den Wellen niederſank. Dann löste ſich der große Maſt, der Fockmaſt und das Bugſpriet — turz Alles über dem Decke in Atome, auf und verſchwand.
Wieder erhob or die Reliquie an ſeine Lippen, und das Werk der Zerſtörung nahm ſeinen Fortgang. Die ſchweren eiſernen Ka⸗ nonen ſanken durch die Decken und verſchwanden. Die Matroſen des Schiffes, welche zuſahen, ſchrumpften in Skelette, Staub und Bruchſtücke zerriſſener Kleider zuſammen, bis zuletzt keine Spur


