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„Wo iſt Euer Kapitän?“ fragte Philipp.„Ich muß mit Eurem Kapitän ſprechen.“
„Wen ſoll ich melden, Herr?“ fragte Einer, welcher der erſte Mate zu ſein ſchien.
„Wen?“ entgegnete Philipp.„Sagt ihm, ſein Sohn wolle mit ihm reden— ſein Sohn Philipp Vanderdecken.“
Die Mannſchaft des Schiffes brach bei dieſer Antwort unſeres Helden in ein ſchallendes Gelächter aus, und ſobald ſich daſſelbe gelegt hatte, bemerkte der erſte Mate mit einem Lächeln:
„Ihr vergeßt, Herr— vielleicht wolltet Ihr ſagen, ſein Vater.“
„Sagt ihm, ſein Sohn,“ entgegnete Philipp,„und kehrt Euch nicht an meine grauen Haare.“
„Gut, Herr; da kommt er auf das Vorderſchiff, erwiederte der Mate, indem er bei Seite trat und auf den Kapitän deutete.
„Was gibt es da?“ fragte der Kapitän.
„Seid Ihr Philipp Vanderdecken, der Kapitän dieſes Schiffes?“
„Ich bin es,“ antwortete der Andere.
„Ihr ſcheint mich nicht zu kennen— aber wie ſolltet Ihr auch? Ihr ſaht mich zum letztenmal, als ich kaum drei Jahre alt war— und doch erinnert Ihr Euch vielleicht eines Briefes, den Ihr Eurem Weibe gabt?“ 1
„Ha!“ verſetzte der Kapitän.„Und wer ſeid Ihr?“
„Die Zeit iſt mit Euch ſtehen geblieben, aber nicht bei denen, welche in der Welt leben; ja, für ſolche, die an der Kette des
Elendes ſchleppen, eilt ſie noch ſchneller dahin. Ihr ſeht in mir
Euren Sohn Philipp Vanderdecken, der Euren Wünſchen gehorcht und nach einem Daſein von Jammer und Gefahr, wie es nur Wenigen beſchieden war, endlich ſein Gelübde erfüllt hat, indem
er ſeinem Vater die koſtbare Reliquie anbietet, die er zu küſſen voeerlangte.“—
Phiüyd zog die Reliquie heraus und hielt ſie länen Vater


