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„So vergebt Ihr alſo Eurem Feinde, Philipp Van⸗ derdecken?“ entgegnete Schriften traurig,„denn ich geſtehe, daß ich es bin.“ 4
„Ja, von ganzem Herzen und aus ganzer Seele,“ antwortete Philipp.
„Dann habt Ihr mich überwunden, Philipp Vanderdecken. Ihr habt mich jetzt zu Eurem Freunde gemacht und Eure Wünſche ſind auf dem Punkte, in Erfüllung zu gehen. Ihr möchtet wiſſen, wer ich bin?— So hört. Als Euer Vater, dem Willen des All⸗ mächtigen Trotz bietend, in ſeiner Wuth mein Leben nahm, wurde ihm nur Eine Ausſicht für die Vernichtung ſeines Urtheils gebo⸗ ten, und dieſe ſollte von den Verdienſten ſeines Sohnes abhängen. Aber auch ich hatte ein Gelübde gethan— ein Gelübde der Rache, und es wurde mir geſtattet, auf Erden zu bleiben und Euren Ab⸗ ſichten in den Weg zu treten. So lange wir Feinde waren, konnte Eure Aufgabe nicht gelingen, ſondern ſollte erſt erfüllt werden, wenn Ihr die ſchönſte Tugend des Chriſtenthums, die ſich an dem heiligen Kreuze ausſprach, dadurch bethätigtet, daß Ihr Eurem Feinde vergebt. Philipp Vanderdecken, Ihr habt Eurem Feinde verziehen und unſere beiderſeitige Beſtimmung iſt jetzt vollendet.“
Während Schriften ſprach, waren Philipps Augen feſt auf ihn geheftet. Der Pilot ſtreckte ſeine Hand gegen unſeren Helden aus — ſie ward angenommen, und wie ſie Philipp drückte, löste ſich die Geſtalt ſeines Begleiters in Luft auf.
„Vater des Erbarmens, ich danke dir,“ ſagte Philipp,„daß meine Aufgabe vollendet iſt und ich meine Amine wieder ſehen ſoll.“
Philipp ruderte nun auf das Geiſterſchiff zu und fand, daß es jetzt nicht länger zurückzuweichen ſchien, ſondern im Gegentheil mit jeder Minute näher und näher kam. Endlich ließ er ſein Ruder fallen, kletterte an der Seite hinan und erreichte das Deck.
Die Mannſchaft des Schiffes ſchaarte ſich um ihn.


