Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
Einzelbild herunterladen

477

der Inquiſition hängt und durch ſeine außerordentliche Schönheit die Aufmerkſamkeit auch des gleichgültigſten Vorübergehenden auf ſich zieht.

Viele, viele Jahre ſind dahin Philipps Haar iſt weiß, ſeine einſt ſo kräftige Geſtalt zuſammengebrochen und er erſcheint viel älter, als er ſeinen Jahren nach ſollte. Er iſt jetzt geſund, aber ſeine Kräfte ſind dahin. Des Lebens müde, wünſcht er nichts mehr, als ſeine Sendung zu erfüllen und dann durch den Tod in die willkommene Ruhe einzugehen.

Die Reliquie iſt ihm nie abgenommen worden. Man hat ihn aus dem Irrenhauſe entlaſſen und mit den Mitteln verſehen, in ſein Vaterland zurückzukehren. Aber ach! er hat jetzt kein Vater⸗ land keine Heimath nichts mehr auf der Welt, was ihn auf ihr feſtzuhalten vermöchte. Er wünſcht nur noch ſeine Pflicht zu thun und zu ſterben.

Das Schiff war bereit, nach Europa auszuſegeln, und Philipp Vanderdecken begab ſich an Bord gleichgültig, wohin es ging. Die Rückkehr nach Terneuſe hatte er nicht im Auge, denn ſchon der Gedanke war ihm zuwider, einen Schauplatz zu beſuchen, wo er ſo glücklich und ſo elend geweſen war. Aminens Geſtalt war in ſeinem Herzen eingegraben, und er ſah mit Ungeduld der Zeit entgegen, wann er abberufen werden ſollte, um ſich mit ihr im Lande der Geiſter zu vereinigen.

Nach ſo vielen Jahren der Geiſtesverwirrung war er wie aus einem Traume erwacht, und er gehörte nicht länger unter die Zahl der eifrigen Katholiken, denn er konnte nie an ſeine Religion denken, ohne ſich Aminens grauſames Schickſal in's Gedächtniß zu rufen. Dennoch hing er an ſeiner Reliquie er⸗ glaubte an ſie und an ſie allein. Sie war ſein Gott ſein Glaube ſein Alles ein Schlüſſel für ihn und ſeinen Vater in die andere Welt das Mittel, durch das er ſich mit ſeiner Amine wieder vereinigen konnte.