471 die Räume des heiligen Officiums betreten, dieſelben ſo mild und geduldig, wie Lämmer, verließen. Dann ſtieg der öffentliche An⸗ kläger auf die Kanzel und verlas die Verbrechen der Verurtheilten, wie auch die Strafen, welche ſie erleiden ſollten. Jeder Gefangene, deſſen Urtheil an die Reihe kam, wurde durch die Diener des Offi⸗ ciums vor die Kanzel gebracht, damit er ſtehend und die Wachs⸗ kerze in der Hand den Spruch vernehme.
Sobald die Urtheile aller derjenigen, deren Leben geſchont werden ſollte, verleſen waren, legte der Großinquiſitor ſein prieſter⸗ liches Gewand an und erſchien im Gefolge mehrerer Anderer, um den Begnadigten dadurch den Bannfluch abzunehmen, daß er mit einem kleinen Wedel Weihwaſſer auf ſie ſprengte.
Sobald dieſer Theil der Ceremonie vorüber war, wurden der Reihe nach die zur Hinrichtung Beſtimmten und die Bilder der⸗ jenigen, welche im Tode Rettung gefunden hatten, vor die Kanzel gebracht und ihre Urtheile verleſen. Der Schluß war bei Allen gleichlautend:„daß es die heilige Inquiſition um ihrer Herzens⸗ härtigkeit und der Menge ihrer Verbrechen willen unmöglich ge⸗ funden habe, ſie zu begnadigen. Mit großem Herzeleid überant⸗ wortete man ſie daher dem weltlichen Richter, daß er die Strafe der Geſetze an ihnen vollziehe. Zugleich wolle man eben dieſe Obrigkeit ermahnt haben, den unglücklichen Elenden Milde und Erbarmen zu erweiſen, und wenn denn einmal ein Todesurtheil vollſtreckt werden müſſe, ſo folle es jedenfalls ohne Blutver⸗ gießen geſchehen.“
Welcher Hohn in dieſer ſcheinbaren Fürbitte, kein Blut zu vergießen, wenn an die Erfüllung derſelben die Qual des Scheiter⸗ haufens geknüpft iſt!.
Amine war die Letzte, welche vor die Kanzel geführt wurde; dieſe befand ſich an einer der dicken Säulen des Mittelganges, di neben dem Throne, welcher der Großinquiſitor einnahm. „Du, Amine Vanderdecken—“ rief der öffentliche A


