463
das Kap Horn zu umfahren ſuchte, ſein Gefährte in Gefahren und Entbehrungen geweſen.
Nach ſieben Tagen eines ſchmerzlichen Wachens und Brütens über bitteren Gedanken langte Philipp zu Pulo Penang an, wo er ein Schiff fand, das im Begriff war, nach Goa abzuſegeln. Er ließ ſeine Piroque an die Seite deſſelben laufen und fand, daß es eine Brigg unter portugieſiſcher Flagge war, die jedoch nur zwei Por⸗ tugieſen an Bord hatte, da der Reſt der Mannſchaft aus Eingebor⸗ nen beſtand. Er ſtellte ſich als einen Engländer in portugieſiſchem Dienſte vor, der Schiffbruch gelitten, und da er ſich erbot, ſeine Ueberfahrt zu bezahlen, ſo wurde er ſehr bereitwillig aufgenommen. Ein paar Tage nachher ſtach die Brigg in die See.
Die Reiſe war glücklich; nach ſechs Wochen ankerten ſie in der Rhede von Goa und fuhren am nächſten Tage in den Strom ein. Der portugieſiſche Kapitän deutete Philipp an, wo er Wohnung er⸗ halten könne, und da er für einen der Schiffsmannſchaft galt, ſo wurde ſeinem Landen keine Schwierigkeit in den Weg gelegt. In ſeiner neuen Wohnung begann unſer Held alsbald Nachforſchungen über Aminen anzuſtellen, indem er ſie zuerſt bloß als eine junge Frau bezeichnete, die vor einigen Wochen in einem Schiffe angelangt ſei, konnte aber keine Auskunft über ſie erlangen.
„Signor,“ ſagte der Wirth,„morgen iſt das große Auto⸗da⸗ Fé; wir können nichts thun, bis dieſes vorüber iſt. Dann will ich ſehen, wie ich Euch in Eurem Wunſche an die Hand gehen kann. Inzwiſchen mögt Ihr Euch die Stadt betrachten; morgen will ich Euch nach einer Stelle bringen, wo ihr die große Proceſſion mit anſehen könnt— und dann wollen wir verſuchen, was wir thun können, um Euch in Euren Nachforſchungen Beiſtand zu leiſten.“
Philipp ging aus, beſorgte ſich andere Kleider, ließ ſich den Bart abnehmen und ſpazierte dann durch die Stadt, nach jedem Fenſter aufblickend, um zu ſehen, ob er nicht Amine bemerken könnte. An einer Straßenecke glaubte er den Pater Matthias zu erkennen und


