Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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Geſchwiſter begraben waren. Da bemerkte ich nun zu meinem Ent⸗ ſetzen, daß die Stiefmutter eifrig beſchäftigt war, die Steine von Marcellas Grab zu entfernen..

„Sie war in ihrem weißen Nachtgewand und der Mond ſchien voll auf ſie nieder. Ich bemerkte, wie ſie mit den Händen grub und mit der ganzen Heftigkeit einer wilden Beſtie die Steine hinter ſich warf. Es ſtund eine Weile an, ehe ich mich beſinnen und über meine weiteren Schritte einen Beſchluß faſſen konnte. Endlich ſah ich, daß ſie an die Leiche angelangt war, und dieſelbe an der Seite des Grabes heraufzog; jetzt konnte ich es nicht länger ertragen; ich eilte zu meinem Vater und weckte ihn.

„„Vater, Vater!“ rief ich; kleidet Euch an und holt Euer Gewehr.“

„Wie?“ rief mein Vater,„ſind die Wölfe da?“

„Er ſprang aus ſeinem Bette, legte die Kleider an und ſchien in ſeiner Haſt die Abweſenheit ſeines Weibes nicht zu bemerken. So⸗ bald er bereit war, öffnete er die Thüre, ging hinaus, und ich folgte ihm.

„Man denke ſich aber ſein Entſetzen, als er, ganz unvorbereitet für einen ſolchen Anblick, an dem Grabe nicht einen Wolf entdeckte, ſondern ſein Weib in Nachtkleidern, die auf Händen und Knieen über der Leiche meiner Schweſter hinkauerte, große Stücke Fleiſch abriß und ſie mit der ganzen Gier eines Wolfes verzehrte. Sie war zu eifrig beſchäftigt, um unſere Annäherung gewahr zu werden. Mein Vater ließ ſeine Waffe ſinken— ihm und mir ſtanden die Haare zu Berg. Sein Athem ging ſchwer und ſchien dann für eine Weile ganz zu ſtocken.„Ich las das Gewehr auf und gab es in ſeine Hand. Da war es, als ob die Wuth ihm plötzlich doppelte Kraft gegeben hätte; er legte ſeine Waffe an und mit einem lauten Schrei ſank die Elende zuſammen, die er an ſeinem Buſen genährt hatte.

„Gott im Himmel! rief mein Vater, ohnmächtig zuſammen⸗ brechend, ſobald er ſein Gewehr abgefeuert hatte. 3