Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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Marcella konnte nur noch einige Sekunden die Augen freundlich zu uns aufſchlagen und ſchloß ſie dann für immer im Tode.

„Der Vater und ich knieeten noch immer über der Leiche der armen Schweſter, als die Stiefmutter hereintrat. Sie that ſehr bekümmert über das ſchreckliche Schauſpiel, ſchien aber nicht, wie es doch bei den meiſten Weibern der Fall iſt, bei dem Anblicke des Blutes zurückzubeben.

„„Armes Kind!' ſagte ſie. ‚Es muß der große weiße Wolf geweſen ſein, der eben an mir vorbeikam und mich ſo ſehr erſchreckte. Sie iſt ganz todt, Krantz.“

„„Ich weiß— ich weiß es!“ rief mein Vater in bitterem Schmerze.

„Ich dachte, mein Vater würde ſich nie wieder von der Wir⸗ kung dieſes zweiten Trauerſpiels erholen. Er trauerte bitterlich über der Leiche ſeines geliebten Kindes und mochte ſie mehrere Tage nicht dem Grabe anvertrauen, obgleich er durch die Stiefmutter häufig darum angegangen wurde. Endlich gab er nach und ſchaufelte ein Grab aus, dicht neben dem meines armen Bruders, dabei jede Vor⸗ ſichtsmaßregel beobachtend, damit die Wölfe ihren Ueberreſten nichts anhaben möchten.

„Ich fühlte mich wirklich recht elend, wenn ich ſo allein in dem Bette lag, das ich früher mit meinem Bruder und meiner Schweſter getheilt hatte. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, daß die Stiefmutter bei ihrem beiderſeitigen Tode betheiligt ſei, obſchon ich mir über die Art und Weiſe keine Rechenſchaft zu geben ver⸗ mochte. Aber ich fürchtete mich nicht länger vor ihr; mein kleines Herz war mit Haß und Rachſucht erfüllt.

„Die Nacht nach dem Begräbniß meiner Schweſter lag ich wa⸗ chend auf meinem Lager und bemerkte, daß meine Stiefmutter auf⸗ ſtand und die Hütte verließ. Ich wartete eine Weile, kleidete mich dann an und ſchaute zu der Thüre hinaus, die ich halb öffnete. Der Mond ſchien hell und ich konnte die Stelle ſehen, wo meine