Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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Kind.„Ich ſah, wie ſie aus dem Bette ſtieg und den Vater anſah, ob er ſchlafe; dann ging ſie zur Thüre hinaus.“

„Was konnte ſie bewegen, ihr Bette zu verlaſſen, um mit ſo leichter Bedeckung in bitterer Winterkälte und bei dem tiefen Schnee auszugehen? dieß war uns unbegreiflich. Wir blieben wach liegen und hörten nach einer Stunde das Heulen eines Wolfes dicht unter dem Fenſter.

„„Da iſt ein Wolf,“ ſagte Cäſar; ‚ſie wird in Stücke zerriſſen werden.“

„„Oh nein!“ rief Marcella.

„Einige Minuten nachher erſchien unſere Stiefmutter wieder; ſte war in ihrem Nachtanzuge, wie Marcella angegeben hatte. Nach⸗ dem ſie die Thürklinke lautlos niedergelaſſen hatte, begab ſie ſich nach dem Waſſerfaſſe, wuſch ſich Geſicht und Hände und ſchlüpfte dann wieder in das Bette, wo mein Vater lag.

„Wir zitterten, ohne zu wiſſen warum, beſchloſſen jedoch, die nächſte Nacht wach zu bleiben. Aber nicht nur in der nächſten, ſon⸗ dern noch viele folgende Nächte ſtand unſere Stiefmutter zu derſel⸗ ben Stunde von dem Bette auf und verließ die Hütte. Nachdem ſie fort war, hörten wir jedesmal das Heulen eines Wolfes unter dem Fenſter, und wenn ſie zurückkehrte, wuſch ſie ſich, ehe ſie ſich wieder zu Bette legte. Wir bemerkten auch, daß ſie ſich ſelten zum Eſſen niederſetzte, und wenn ſie je etwas ſpeiste, ſo geſchah es mit augenſcheinlichem Widerwillen. Wurde aber das Fleiſch herunter⸗ genommen, um zum Mahle zubereitet zu werden, ſo ſahen wir oft, wie ſie verſtohlen ein rohes Stück in den Mund ſteckte.

„Mein Bruder Cäſar war ein muthiger Knabe und wollte dem Vater nichts mittheilen, bis er mehr erfahren hätte. Er beſchloß, ihr zu folgen und über ihr Treiben Gewißheit einzuholen. Marcella und ich, wir beide bemühten uns, ihm ſein Vorhaben auszureden; er ließ ſich jedoch nicht zurückhalten, ſondern legte ſich ſchon in der Marryat. Der fliegende Holländer. 29