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unbedeckt und ihr langes Haar fiel in reichen Flechten über die Schulter nieder. Ihre Figur war nicht ganz von Mittelgröße, verrieth aber das vollkommenſte Ebenmaß, und ihre einfache, aber anſtändige Kleidung war ganz verſchieden von der, welche die Mäd⸗ chen der Umgegend zu tragen pflegten. Nicht nur der Schnitt ihres Geſichtes, ſondern auch ihr Anzug würde jeden Fremden mit einemmale belehrt haben, daß ſie aus arabiſchem Blute ſtammte. Während Philipp ſprach, ſah ſie ihm ängſtlich in's Antlitz, als wolle ſie in ſeiner tiefſten Seele leſen; aber die offene Freimüthigkeit in ſeiner Haltung und die Biederkeit in ſeinem männlichen Geſichte beruhigte ſie. „Kommt herein, Herr,“ entgegnete ſie nach einem kurzen Stok⸗ een;„ich fühle, daß ich Euch trauen kann.“ Philipp entſprach der Aufforderung. Die Thüre wurde ſodann verſchloſſen und verriegelt.— „Wir haben keine Zeit zu verlieren, Jungfrau,“ ſagte Philipp; „aber nennt mir Euren Namen, damit ich Euch gebührend an⸗ reden kann.“ „Ich heiße Amine,“ verſetzte ſie ein wenig zurückweichend. „Ich danke Euch für dieſes kleine Vertrauen. Doch wir haben keine Zeit zu verlieren. Was für Waffen habt Ihr im Hauſe, und ſeid Ihr mit Munition verſehen?“ 3 „Beides iſt vorhanden. Ach, wenn doch mein Vater zu Hauſe wäre.“
„Ich wünſchte es gleichfalls,“ entgegnete Philipp. Hätten wir
ihn doch hier, ehe dieſe Mörder kommen. Hoffentlich zeigt er ſich— aber nicht während des Angriffs, denn eine Büchſe iſt ausdrücklich
für ſeinen Kopf geladen, und wenn ſie ihn zum Gefangenen machen, werden ſie ſein Leben nicht ſchonen, es ſei denn, daß er ſein Gold
und Eure Perſon als Löſegeld zahle. Doch die Waffen, Jungfrau
— wo ſind ſie?“
„Folgt mir,“ entgegnete Amine, Philipp nach einem innern


