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Noch einige Minuten muſterte er das Gemach mit größerer Ruhe und vielleicht einiger Gleichgültigkeit, da er jetzt die überna⸗ türliche Geſchichte für unwahr hielt. Endlich nahm er das geſchriebene Blatt, das er bei den Schlüſſeln gefunden, aus ſeiner Taſche und überlas es.
„Die eiſerne Kiſte unten im Schrank, welcher vom Fenſter am weiteſten abſteht— gut ſo.“
Er nahm die Schlüſſel von dem Tiſche und fand bald denjeni⸗ gen, welcher in die Glasthüre des Schrankes paßte, der die eiſerne Truhe verbarg. Ein zweiter Schlüſſel öffnete den Deckel, und Philipp ſah ſich nun im Beſitze einer beträchtlichen Geldſumme, die in kleinen gelben Säcken daſtand und ſeiner Schätzung nach gegen zehntauſend Gülden betragen mochte.
„Meine arme Mutter!“ dachte er.„So mußte denn ein bloßer Traum dich in Mangel und Armuth hetzen, während dir dieſer ganze Reichthum zu Gebote ſtand!“
Er legte die Säcke wieder zurück und ſchloß die Kiſte, nachdem er aus einem bereits halbgeleerten nur einige Münzſtücke für ſeine nächſten Bedürfniſſe genommen hatte. Seine Aufmerkſamkeit lenkte
ſich nun zunächſt nach dem oberen Schranke, den er mit einem an⸗
deren Schlüſſel öffnete, und fand darin Porcellän, ſilberne Flaſchen und Taſſen von beträchtlichem Werthe. Nachdem er Alles verwahrt hatte, warf er den Schlüſſelbund auf den Tiſch. 3
Der plötzliche Beſitz eines ſo großen Reichthums nebſt der Ueber⸗ zeugung, daß keine übernatürliche Erſcheinung ſtattgefunden, wie die Hingeſchiedene geglaubt hatte, belebte und beruhigte natürlich Philipps Geiſt; er fühlte jetzt eine Gegenwirkung, die ſich faſt bis zur Heiter⸗ keit ſteigerte. Er ſetzte ſich auf das Kanapee, verlor ſich in Träu⸗ mereien und kehrte, wie zuvor, zu Mynheer Poots liebenswürdiger Tochter zurück, allerlei Luftſchlöſſer bauend, die, wie es bei ſolchen Ge⸗ legenheiten zu gehen pflegt, ſtets mit Glück und Wohlſtand endigten.
In dieſer angenehmen Beſchäftigung verbrachte er mehr als zwei


