Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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das Leichengefolge zerſtreute ſich, und Philipp kehrte nach der Hütte zurück; er verriegelte die Thüre, um ſich gegen alle Störung zu ſchützen, und fühlte ſich glücklich, daß er allein ſein konnte.

In unſerem Weſen liegt ein Gefühl, das ſich ſtets zeigt, wenn wir uns wieder in der Behauſung finden, wo der Tod geweilt hat, nachdem alle ſeine Spuren entfernt ſind. Es iſt ein Gefühl der Beruhigung und der Erleichterung, daß wir die Erinnerungszeichen der Sterblichkeit fortgeſchafft haben das ſtumme Zeugniß von der Flüchtigkeit unſeres Treibens und unſerer Entwürfe. Wir wiſſen, daß wir eines Tages ſterben müſſen, mögen aber nie daran denken. Die fortwährende Erinnerung daran würde ein zu großer Zügel für unſere Erdenwünſche ſein, und obgleich man uns predigt, wir ſollen ſtets die Zukunft im Auge haben, ſo finden wir doch, daß das Leben kein ſonderlich heiteres ſein könnte, wenn es uns nicht hin und wieder geſtattet wäre, zu vergeſſen; denn wer würde Plane entwerfen, die der Menſch nur ſelten in Ausführung bringen könnte, wenn er jeden Augenblick des Tages an den Tod dächte? Wir hoffen entweder, daß wir länger leben werden, als Andere oder vergeſſen wenigſtens, daß das Gegentheil ſo leicht mög⸗ lich iſt. 4

Wäre dieſe Spannkraft nicht unſerer Natur eingepflanzt, wie wenig hätte die Welt ſogar durch die Sündfluth verbeſſert werden können! Philipp ging in das Zimmer, wo ſeine Mutter noch vor einer kurzen Stunde gelegen hatte, und fühlte ſich unwillkürlich er⸗ leichtert. Er nahm den Schrein wieder vor und begann abermals ſein Geſchäft, Das Hinterbrett war jetzt bald beſeitigt und er ent⸗ deckte ein geheimes Schubfach, das er herauszog. Wie er ver⸗ muthet hatte, enthielt es den Gegenſtand ſeines Suchens einen großen Schlüſſel mit einem leichten Roſtüberzuge, der ſich durch die Berührung abwiſchte. Unter demſelben lag ein Papier, deſſen Schrift etwas verblichen war. Der Inhalt war von der Hand

ſeiner Mutter geſchrieben und lautete folgendermaßen: . 3*