32
„Geduldet Euch, junger Mann,“ erwiederte die Jungfrau. „Ich werde bald wieder zurückkehren.“
Philipp wartete mehrere Minuten in Gedanken und Bewun⸗ derung verloren. Ein ſo ſchönes Weſen im Hauſe von Mynheer Poots! Wer mochte ſie ſein? Während er ſeine Betrachtungen über dieſe Frage anſtellte, wurde er durch eine Silberſtimme aus ſeinen Träumen geweckt. Der Gegenſtand derſelben lehnte im Fenſter und hielt in der Hand das ſchwarze Band, an welchem der ſo ſehnlich verlangte Gegenſtand befeſtigt war.
„Hier iſt Eure Reliquie, Herr,“ ſagte das Mädchen.„Ich bedaure recht ſehr, daß mein Vater eine That beging, welche wohl geeignet war, Euren Zorn zu rechtfertigen. Aber hier iſt Euer Eigenthum,“ fuhr ſie fort, die Kapſel auf den Boden nieder⸗ fallen laſſend,„und jetzt könnt Ihr Euch entfernen.“
„Euer Vater, Jungfrau? Kann dieſer Menſch Euer Vater ſein?“ entgegnete Philipp mit einer Angelegentlichkeit, daß er ſogar die Reliquie aufzunehmen vergaß, welche zu ſeinen Füßen lag. Sie würde ſich ohne Antwort von dem Fenſter zurückgezogen haben, aber Philipp fuhr fort: 4
„Haltet, Jungfrau! haltet einen Augenblick, bis ich Euch um Vergebung gebeten habe für meine wilde, thörichte Handlung. Ich ſchwöre Euch's bei dieſer geheiligten Reliquie,“ fügte er bei, indem er ſie vom Boden aufhob und an ſeine Lippen führte,„daß ich nicht ſo gehandelt haben würde, wenn ich gewußt hätte, daß ſich eine harmloſe Perſon in dieſem Hauſe befinde; um ſo mehr freut mich's aber jetzt, daß kein Schaden geſchehen iſt. Dennoch iſt die Gefahr noch nicht vorüber, Jungfrau. Die Thüre muß aufgeriegelt und die Pfoſten, welche noch immer glimmen, müſſen mit Waſſer begoſ⸗ ſen werden, da das Haus ſonſt doch noch in Brand gerathen könnte. Fürchtet nichts für Euren Vater, Jungfrau, denn hätte er mir auch tauſendmal mehr Unrecht gethan, ſo wäret Ihr doch im
Stande, jedes Haar auf ſeinem Haupte zu ſchützen. Er kennt mich


