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„Vater, ich fürchte nichts. Ich habe eine Pflicht zu erfüllen — eine ſchreckliche zwar, aber ich bitte, fragt mich nicht weiter, denn gleich meiner Mutter, iſt's mir, als ob eine Unterſuchung der Wunde faſt meine Vernunft über den Haufen werfen könnte.“
„Ich will nicht weiter in dich dringen. Vielleicht kommt die Zeit, in der ich dir Dienſte leiſten kann. Lebewohl, mein Kind; aber ich bitte dich, von dieſer unziemenden Arbeit abzulaſſen, denn ich muß zu den Nachbarn ſchicken, damit ſie deiner hingeſchiedenen Mutter, deren Seele hoffentlich bei Gott iſt, den letzten Dienſt er⸗
weiſen.“
Der Prieſter ſah Philipp an und bemerkte aus der ſtarren und betrübten Miene deſſelben, daß ſeine Gedanken anderswo wa⸗ ren; er entfernte ſich mit Kopfſchütteln.
„Er hat Recht,“ ſagte Philipp zu ſich ſelbſt, als er wieder allein war, indem er den Schrein aufnahm und ihn wieder an ſei⸗ nen vorigen Platz rückte.„Ein paar Stunden mehr oder weniger können keinen Uunterſchied ausmachen. Ich will mich niederlegen, denn mein Kopf iſt ſchwindelig.“
Er begab ſich in das anſtoßende Gemach, warf ſich auf ſein Bette und lag nach ein paar Minuten in einem ſo tiefen Schlafe, als derjenige iſt, der ein paar Stunden vor der Hinrichtung die Augen eines Verurtheilten zudrückt.
Während ſeines Schlummers kamen die Nachbarn herbei und trafen alle Vorkehrungen für die Beerdigung der Wittwe, ohne jedoch den Sohn zu wecken, weil ſie es für eine heilige Pflicht hielten, den Schlaf zu ſchonen, dem nur ein ſchmerzliches Erwa⸗ chen folgen konnte. Bald nach Mittag langte unter Anderen auch Mynheer Poots an. Er hatte zwar bereits Kunde von dem Tode der Wittwe erhalten, konnte aber über ein freies Stündchen ver⸗ fügen und meinte, er könne recht wohl einen Beſuch machen, da
derſelbe ſeine Rechnung um einen weitern Gülden erhöhen würde. Zuerſt begab er ſich nach dem Gemache, wo die Leiche lag, dann


