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Sollte er es unverweilt thun, oder bis zum Morgen warten—
aber, wo war der Schlüſſel? Seine Augen ruhten auf einem alten,
lackirten Schreine in dem Zimmer; ſeine Mutter hatte ihn nie in
ſeiner Gegenwart geöffnet— er war alſo der einzige Ort, wo das,
was er ſuchte, wahrſcheinlicherweiſe verborgen ſein konnte. Raſch
in allen ſeinen Entſchließungen, griff er nach der Kerze und ſchickte
ſich an, ſeine Unterſuchung vorzunehmen. Der Schrein war nicht
verſchloſſen; die Thüren gingen leicht auf und Philipp durchſpähete
alle Schubladen, ohne den Gegenſtand ſeiner Nachforſchung zu fin⸗
den; wieder und wieder öffnete er die Laden, aber ſie waren leer.
Da kam Philipp auf den Gedanken, daß vielleicht geheime Schub⸗
fächer vorhanden wären, und unterſuchte das Geräthe geraume Zeit ohne Erfolg. Endlich nahm er ſämmtliche Laden heraus, legte ſie auf den Boden, erhob dann den Schrank und rüttelte ihn. Ein raſſelndes Getöſe in einer Ecke ſagte ihm, daß der Schlüſſel wahr⸗ ſcheinlich hier verborgen war. Er erneuerte ſeine Verſuche, um zu entdecken, wie er ihn herauskriegen könne, aber vergeblich. Das Tageslicht ſtrömte jetzt zum Fenſter herein und Philipp hatte ſeine Bemühungen noch immer nicht eingeſtellt. Ermattet beſchloß er endlich, die hintere Platte des Schreins herauszunehmen; er ſtieg nach der Küche hinunter, kehrte mit einem kleinen Stemmeiſen und einem Hammer zurück, und lag eben auf ſeinen Knieen, emſig da⸗ mit beſchäftigt, das Hinderbrett auszubrechen, als ſich eine Hand auf ſeine Schulter legte.
Philipp ſuhr zuſammen. Sein Spähen und ſeine wild jagen⸗ den Gedanken hatten ihn dermaßen in Anſpruch genommen, daß er den Schall nahender Fußtritte nicht vernahm. Er ſah auf und erblickte den Pater Seyſen, den Geiſtlichen des kleinen Sprengels, deſſen Augen ernſt auf ihm hafteten. Der gute Mann hatte Kunde erhalten von dem gefährlichen Zuſtande der Wittwe Vanderdecken und war mit dem Grauen des Tages aufgebrochen, um ſie zu be⸗ ſuchen und ihr geiſtigen Troſt zu bringnn.


