Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Philipp Vanderdecken fühlte ſich trotz ſeiner Seelenſtärke doch faſt gelähmt, als er entdeckte, daß der Geiſt ſeiner Mutter entwi⸗ chen war. Eine Weile blieb er an der Seite des Bettes, keines Gedankens fähig und das Auge nur auf die Leiche geheftet. Aber allmählig faßte er ſich wieder. Er ſtand auf, legte das Kiſſen zu⸗ recht, ſchloß der Verſchiedenen die Augenlider und faltete dann ſeine Hände, während die Thränen über ſeine Wangen niederträufelten. Er drückte einen feierlichen Kuß auf die blaſſe, weiße Stirne der Todten und zog die Vorhänge um das Bette.

Arme Mutter! ſagte er bekümmert, als er ſein Geſchäft be⸗ endigt hatte;endlich iſt dir Ruhe geworden aber deinem

Sohne haſt du ein bitteres Vermächtniß hinterlaſſen.

Und als Philipps Gedanken zu dem, was vorgegangen war, zu⸗ rückkehrten, bemächtigte ſich die furchtbare Erzählung ſeiner Einbil⸗ dungskraft und verwirrte ihm beinahe das Gehirn. Er erhob die Hände zu ſeinen Schläfen und drückte ſie mit Macht zuſammen, dabei über den Maßregeln brütend, die er einſchlagen ſollte. Er fühlte, daß er keine Zeit hatte, ſeinem Grame nachzuhängen. Seine Mutter war im Frieden aber ſein Vater wo war dieſer?

Er rief ſich die Worte ſeiner Mutter in's Gedächtniß. ‚Nur Eine Hoffnung bleibt mir noch. Hoffnung war alſo vorhanden. Sein Vater hatte ein Papier auf den Tiſch gelegt war es wohl noch zu finden? Ja, es mußte ſo ſein; ſeine Mutter hatte nicht den Muth beſeſſen, es aufzunehmen. Der Brief, der mehr als ſtebenzehn Jahre unerbrochen da gelegen hatte, gab eine Ausſicht an die Hand.

Philipp Vanderdecken beſchloß, das verhängnißvolle Gemach zu unterſuchen, um mit einem Male das Schlimmſte zu erfahren.