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zählte ich die Stunden bis zu ſeiner Heimkehr! Das Weib eines See⸗ manns hat kein beneidenswerthes Loos. Wie viele Monate ſitzt ſie ein⸗ ſam und allein, in den langen Docht der Kerze ſchauend und auf das Heulen des Windes lauſchend, der ihr ſchlimme Ahnungen über Schiff⸗ bruch und Wittwenſchaft zuflüſtert. Er war bereits ſechs Monate fort, Phillipp, und ich ſollte noch ein langes, trauriges Jahr harren, ehe er wieder zurückkehrte. Eines Abends, mein Kind, warſt du feſt eingeſchlafen— du, der einzige Troſt in meiner Verlaſſenheit. Ich hatte gewacht, während du ſchlummerteſt. Du lächelteſt und ſpracheſt halb den Namen der Mutter aus. Endlich küßte ich deine nichts ahnenden Lippen, kniete nieder und betete um Gottes Segen für dich, mein Kind, und auch für ihn— mir damals noch nicht träumen laſſend, daß ein ſo ſchrecklicher, ſo fürchterlicher Fluch über ihn ergangen war.“
Die Wittwe haſchte nach Luft und nahm dann wieder auf. Philipp konnte nicht ſprechen. Seine Lippen öffneten ſich und ſeine Augen hafteten an der Mutter, als wollte er ihre Worte verſchlingen.
„Ich verließ dich und ging die Treppe hinunter in das Zimmer, welches ſeit jener ſchrecklichen Nacht nicht wieder geöffnet wurde. Ich ſetzte mich nieder und las, denn der Wind heulte, und wenn ein Sturm weht, kann das Weib eines Seemanns ſelten ſchlafen. Mit⸗ ternacht war vorüber und der Regen ſchoß in Strömen nieder. Eine ungewöhnliche Furcht wandelte mich an, ohne daß ich mir den Grund zu erklären vermochte. Ich ſtand von dem Kanapee auf, tauchte meine Finger in das Weihwaſſer und bekreuzte mich. Ein heftiger Windſtoß brauste um das Haus und beunruhigte mich noch mehr. Ich hatte eine ſchmerzliche, furchtbare Ahnung. Da wurden plötzlich Fenſter und Fenſterläden hereingeweht. Das Licht erloſch und ich war in völliger Finſterniß. Im Schrecken ſchrie ich laut hinaus, erholte nicc aber endlich wieder und war eben im Begriff, an das Fenſter au gehen, um es wieder zu ſchließen— da ſah ich langſam— deinen
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