Teil eines Werkes 
10. Band (1857) Der fliegende Holländer / von Kapitän Marryat ; neu aus dem Englischen von Dr. Carl Kolb
Entstehung
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Sie redet irre, dachte Philipp, nahm aber wieder auf:

Wohlan denn, Mutter, wo iſt er?

Die Wittwe erhob ſich und ein Zittern lief über ihren ganzen Körper, als ſie entgegnete:

Er erleidet im Leben das Gericht. Ddie arme Frau ſank dann wieder auf das Kiſſen zurück und barg ihren Kopf unter den Bettüchern, als ſuche ſie Schutz gegen den Stachel ihrer eigenen Erinnerungen. Philipp war ſo verwirrt und erſtaunt, daß er nicht antworten konnte. Einige Minuten ſchwieg er; dann aber konnte er die Qual der Ungewißheit nicht länger ertragen und flüſterte leiſe:

Das Geheimniß, Mutter, das Geheimniß! Geſchwind, laßt mich's hören.

Ich kann dir jetzt Alles ſagen, verſetzte die Mutter mit feier⸗ licher Stimme.Höre mich, mein Sohn. Der Charakter deines Vaters war dem deinigen nur zu ähnlich ach, möge ſein ſchreck⸗

liches Loos eine Lehre für dich ſein, mein theures Kind! Er war

kühn, wagehalſig und, wie man ſagt, ein Seemann erſten Rangs. Er iſt nicht von hier, ſondern von Amſterdam gebürtig, wo er übri⸗ gens nicht leben mochte, weil er noch der katholiſchen Religion an⸗ hing. Du weißt, Philipp, daß, unſerem Glaubensbekenntniß zufolge, die Holländer Ketzer ſind. Es ſind jetzt ſiebenzehn Jahre oder mehr, daß er in ſeinem ſchönen Schiffe, dem Amſterdamer, mit einer werth⸗ vollen Ladung nach Indien ausfuhr. Es war ſeine dritte Indienreiſe, Philipp, und hätte, wenn es Gottes Wille geweſen wäre, auch ſeine letzte ſein ſollen, denn er hatte auf den Ankauf jenes guten Schiffs nur einen Theil ſeiner Erſparniſſe verwendet und bedurfte nur noch einer einzigen Fahrt, um ſich ein ſchönes Vermögen zu machen. Ach! wie oft ſprachen wir mit einander über das, was wir thun wollten nach ſeiner Rückkehr; und wie tröſteten mich dieſe Plane für die Zu⸗ kunft über ſeine Abweſenheit denn ich liebte ihn zärtlich, Philipp. da er ſtets gütig und freundlich gegen mich geweſen war. Oh, wie