Philipp pfiff eine Weile fort, während ſeine Mutter in Thränen ausbrach.
„Dringt Ihr deßhalb ſo in mich,“ ſagte der Sohn endlich, „weil mein Vater auf dem Meere ertrank?“
„Oh, nein— nein!“ rief die ſchluchzende Frau.„Wollte Gott— ¹
„Was ſollte Gott wollen, Mutter?“
„Nichts— nichts. Sei barmherzig— ſei barmherzig! Oh Gott!“ entgegnete die Mutter, von ihrem Sitze heruntergleitend, und an der Seite des Kanapee's niederknieend— eine Haltung, welche ſie einige Zeit in brünſtigem Gebete beibehielt. Endlich
nahm ſie ihren Platz wieder ein und ihr Antlitz zeigte einen gefaß⸗
teren Ausdruck.
Philipp, der inzwiſchen ſtill und gedankenvoll geblieben war,
redete ſeine Mutter an..
„Ja, ſeht Mutter— Ihr verlangt, ich ſolle bei Euch am Lande bleiben und hungern; das iſt eine etwas harte Aufgabe. Doch hört, was ich euch ſagen will. Seit ich mich erinnern kann, iſt das Zimmer nebenan immer verſchloſſen— warum dies geſchieht, wollt Ihr mir nie mittheilen; aber ich habe Euch einmal ſagen hören, als wir ohne Brod waren und nicht auf die baldige Rück⸗ kehr des Onkels rechnen durften— Ihr wart damals etwas ver⸗ wirrt, Mutter, und Ihr wißt, daß dies öfters bei Euch vor⸗ kömmt—“ 8*
„Nun, Philipp, was hörteſt Du mich ſagen?“ fragte die Mutter in bebender Angſt.
„Ihr ſagtet, Mutter, daß in jenem Zimmer Geld ſei, das uns helfen könnte, und dann ſchrie't Ihr und rastet und ſagtet,
daß Ihr lieber ſterben wolltet, als es angreifen. Nun, Mutter,
was iſt in jenem Gemach, und warum baltet Ihr es ſo lange ver⸗ ſchloſſen? Entweder gebt Ihr mir Auskunft oder ich gehe zur See.“ Bei dem Beginne dieſer Anrede ſchien die Frau ganz ver⸗
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