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Leidensurſache vorhanden zu ſein, die keinen Augenblick aus ihrem Gedächtniß wich— ein bleibender Druck, feſt in's Innere gegraben, 6 der bloß im Tode Erleichterung fand. Sie trug die Wittwentracht ihrer Zeit, die zwar nett und reinlich, aber doch vom langen Ge⸗ 8 brauche ſehr verſchoſſen war, und ſaß auf dem kleinen Kanapee,
das augenſcheinlich um ihres leidenden Zuſtandes willen herunter⸗ gebracht worden war.
Auf dem Tannentiſche in der Mitte des Gemachs ſaß die an⸗ dere Perſon, ein kräftiger, blondhaariger, blühender Jüngling von neunzehn oder zwanzig Jahren. Seine Züge waren ſchön und
keck, ſein Körperbau faſt zum Uebermaße muskulös und ſein Auge 5 voll muthiger Entſchloſſenheit. Während er ſo daſaß, ſorglos ſeine Beine ſchlenkernd und laut ein Liedchen vor ſich hinpfeifend, konnte man ſich unmöglich des Gedankens erwehren, daß er ein kühner, wagehalſiger Menſch ſei.
*„Geh' nicht zur See, Philipp. Oh, verſprich mir dies, mein liebes, theures Kind,“ ſagte die Frau, ihre Hände zuſammen⸗ ſchlagend.
„Und warum ſoll ich nicht zur See gehen, Mutter?“ verſetzte Philipp.„Was nützt mich's, wenn ich hier bleibe und ver⸗ hungere?— denn beim Himmel, wir haben wenig Beſſeres in Ausſicht. Ich muß für mich und für Euch etwas thun— und mit was ſonſt könnte ich mich abgeben? Der Onkel Van Bren⸗ nen hat mir angeboten, er wolle mich mitnehmen und mir guten Lohn zahlen. An Bord iſt dann für mich geſorgt, und mein f Verdienſt wird wohl zureichen, auch Euch zu Hauſe zu ernähren.“
„Philipp— Philipp, höre mich. Ich ſterbe, wenn du mich verläſſeſt. Wen habe ich auch in der Welt, außer dir? Oh, mein h Kind— wenn du mich liebſt— und ich weiß, du liebſt mich, Philipy— ſo verlaß mich nicht; oder wenn du in ſor ußr, ſo geh' in keinem Falle auf die See.“


