Teil eines Werkes 
5. Bändchen (1809)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

(23

die indianiſchen Dorfobrigkeiten druͤcken ihre Lands⸗ leute oft zweyfach ſchwerer, als die ſpaniſchen.

Ihre Imagination iſt, ſo weit ich Gelegenheit hatte, dieſes Volk kennen zu lernen, auſſerſt ſchwach. Sie ſtehen darinn den Europaͤern und mehreren af⸗ rikaniſchen Voͤlkerſchaften ſehr weit nach.

An ihrer Muſik und ihren Taͤnzen nimmt man charakteriſtiſch allgemein einen Mangel an Lebhaf⸗ tigkeit wahr; eben dieß bemerkten ich und Herr Bonpland im ganzen mittaͤglichen Amerika. Ihr Geſang iſt klagend und melancholiſch. Die india⸗ niſchen Weiber zeigen mehr Lebhaftigkeit als die Maͤnner, aber ſie zeigen die Wirkungen der Dienſt⸗ barkeit, welcher das andere Geſchlecht bey allen min⸗ der eiviliſirten Voͤlkern unterworfen iſt. Sie neh⸗ men keinen Theil am Tanze, ſondern reichen nur den Taͤnzern gegohrene Getraͤnke, welche ſie vorher bereitet haben.

Die Mexikaner haben beſonderes Talent zur Malerey und Bildhauerey, ſowohl in Holz als in Steinen. Man muß erſtaunen, wenn man ſie ganz artige Bilder blos mit einem ſchlechten Meſſer aus dem haͤrteſten Holze ſchnitzen ſieht. Ihre Arbeiten ſind meiſtens Heiligenbilder, und ſie ahmen noch immer gewiſſenhaft die Modelle nach, welche die Spanier zur Zeit der Eroberung ins Land brachten. Dieſes mag mitunter auch eine Wirkung des unter allen indianiſchen Voͤlkern herrſchenden Religions⸗ prinzips ſeyn, daß es uicht erlaubt ſey an den hei⸗

2*