Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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In der Stadt betrachtete man die Sache des Pro⸗ feſſors als verloren.

Der Sitzungsſaal war zum Erdrücken voll; die heimlichen Anhänger des Profeſſors Freunde, die für ihn zu handeln verſucht hätten, beſaß er nicht mehr waren verſammelt, um den freiſinnigen Mann noch⸗ mals zu ſehen. Andere hatte die Neugierde hergetrieben, wieder Andere hofften einen kleinen Skandal, einen heftigen Wortwechſel zu erleben.

Der Staatsanwalt hatte ſeine Anklage geſchloſſen und eine Gefängnißſtrafe von fünf Jahren beantragt. Die Situation war ernſt. Mit inniger Theilnahme be⸗ trachtete das anweſende Volk den Mann, der ſo oft unerſchrocken für alle das Wort ergriffen und nun ſo furchtbar dafür büßen ſollte. Auf allen Geſichtern war der tiefe Eindruck, die Trauer und athemloſe Spannung zu leſen, welches Ende das Drama nehmen werde, deſſen letzte Acte, die Vertheidigung und der Wahr⸗ ſpruch der Geſchworenen, noch fehlten. Lautloſe Stille herrſchte in dem weiten Raume, aller Augen richteten ſich auf Dr. Karl Molling, der jetzt ſeine Stimme er⸗ hob. Anfangs zitterte dieſelbe ein wenig, der bleich gewordene junge Mann rang nach Luft, aber mehr und mehr gewann der Sprecher ſeine Feſtigkeit, immer

3 kräftiger und freier wurde ſein volles Organ, ſeine