Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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die Pflicht gebot: er lockerte die enge Kleidung, um den Athmungsorganen Erleichterung zu verſchaffen, und brachte die Liegende in eine mehr ſitzende Stellung; dann lief er hinab an den See, ſchöpfte einen Hut voll Waſſer und benetzte die Schläfe des geliebten Hauptes.

Mit ſtarrem Auge forſchte er, ob ſie ſich noch immer nicht rege, mit geſpanntem Ohr lauſchte er, ob ſie noch athme.

Welche Seligkeit! Ja, ſie lebte, ſie war nur ohn⸗ mächtig.

Ihre Hand wurde wärmer in der ſeinen, ihre bleichen Wangen rötheten ſich ein wenig, erſt ſchwach und unregelmäßig, dann immer ſtärker und gleich⸗ mäßiger traten Athemzüge ein.

Das Gewitter draußen hatte ausgetobt, die Abend⸗ ſonne leuchtete ſiegend vor ihrem Untergang und ſendete durch die farbigen Glasfenſter ihren tröſtenden Hoff⸗ nungsſtrahl in die kleine Kapelle und die vergoldete Himmelskönigin ſah gütig und mild von ihrem Altar herab auf die Liebenden, die bei ihr Schutz geſucht und gefunden.

Jetzt erſt bemerkte Heinrich eine goldene Kapſel, welche die Baroneſſe um den Hals getragen; das feine Kettchen war gebrochen, die Kapſel lag offen am Bo⸗

den. Erſt glaubte er, es ſei irgend ein Amulet, das Schubert, Die Jagd nach dem Glücke. II. 2