Was ſie längſt geahnt, woran ſie oft mit einem Gemiſch von holder Scheu und banger Sehnſucht ge⸗ dacht, war nun enthüllt; ſie wußte, daß Heinrich ſie liebte.
Sie erſchrak, und doch war es ein freudiges Er⸗ ſchrecken; wie das Eiſen zum Magnet zurückkehrt, wenn man es nicht ganz aus ſeiner Wirkungsſphäre bringt, ſo vermochte die ſtolze Marie nicht, ſich von dem kühnen Mann loszumachen; ſie ließ ihm ihren zarten Arm, um den ſein ſtarker ſich noch inniger ſchlang, und fand endlich die Worte:
„Ich kann und darf Ihnen nie mehr ſein als eine treue, aufrichtige Freundin; nie, nie aber werde ich aus bloßem Herkommen in eine Verbindung willi⸗ gen, nie das Glück des Herzens opfern, denn dann wäre ich ja Ihrer Freundſchaft nicht mehr werth.“
Das Glück des Herzens!
Dieſer Ausdruck lenkte Heinrich's Gedanken auf das Tagebuch, ſeine bis jetzt uneigennützigen Gefühle geſtalteten ſich nun zu leidenſchaftlichen Hoffnungen, zu ſelbſtſüchtigen Entwürfen; dieſe auszunutzen war ihm Mariens Stimmung und die Gelegenheit heute günſtig wie noch nie und er wollte eben ſeine heiße Liebe noch rückhaltsloſer geſtehen, da ſchlug, drei Schritte nur von dem wandelnden Paar, der Blitz in eine hohe Fichte ein.
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