bin verläſſig, für Sie gehe ich ins Feuer. O, Sie ſind ganz anders als alle Ihres Geſchlechts, Sie ſind eine echte Adlige, nicht blos von Geburt, ſondern auch der Geſinnung nach, denn Ihre Seele erhebt ſich über die Gemeinheit des täglichen Lebens. Sie ſind mein guter Engel; ohne Sie hätte ich nimmer die dienende Stellung im Hauſe Ihres Vaters, nimmer die hoch⸗ müthige Verachtung Ihres Oheims, des Miniſters, ertragen. Sie aber haben meinen Stolz gebeugt, mich Demuth gelehrt, gerade weil Sie zartfühlend mir Ihre Achtung ſchenkten, wenn die Andern mich tief in den Staub traten. Um Ihretwillen, Fräulein Marie, er⸗ duldete ich Alles— o nein, ich war zufrieden, ich war namenlos glücklich in meiner Abhängigkeit, denn ſie geſtattete mir, in Ihrer Nähe zu leben, mich Ihres Umgangs zu erfreuen.“
„Bald werden wir uns trennen“, ſprach Marie, als der Hofmeiſter, beſtürzt, ſeine Leidenſchaft zu deut⸗ lich gezeigt zu haben, ſchwieg,„mir iſt kein langes Leben beſtimmt.“
„Ja, wir müſſen ſcheiden“, entgegnete Heinrich, „und ich verliere in Ihnen den Schutzgeiſt meines Le⸗ bens. Ich habe nie geliebt und bin nie geliebt wor⸗ den, ich glaubte nie an ſelbſtloſe wahre Neigung und oft beklagte ich mein armſeliges Daſein. Mit einem


