Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Aus dem ein Weib ſo fremd⸗bekannt Mich grüßend blickt heraus.

Sie winkt wohlan, Frau Poeſie, Thu' auf des Tempels Thüren,

Mich ſoll der Strom der Phantaſie Zu dir hinüberführen.

Zurück! Gar tückiſch iſt der Fluß! Laßt mich, ich ſah ſie winken,

Es ſehnet mich nach ihrem Kuß

Und müßt' ich todt verſinken!

Man lauſchte der einfachen Weiſe, die Julie ſelbſt zu dieſem Gedicht Karl Molling's erſonnen. Sophie ſah mit leuchtenden Augen nieder auf das dunkelgrüne Waſſer.

Begreiflicherweiſe war nun das Geſpräch auf Karl gelenkt. In Wermuth's Gedächtniß erſchien der Uni⸗ verſitätsgenoſſe doch noch als der von ihm abhängige unſelbſtſtändige Knabe; er vermochte deshalb nicht in das exaltirte Lob einzuſtimmen, das die beiden Mäd⸗ chen ihm ſpendeten.

Wohl geſtand er Karl's geiſtige Anlagen zu, meinte aber, Karl werde es ſchwerlich zu etwas Großem bringen.

Eigentlich iſt alles Außerordentliche, lautete des Hofmeiſters Urtheil,alles Ungewöhnliche ſeiner Natur zuwider; er fühlt ſich im Hergebrachten allzu wohl.

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