Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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So wird er geduldig den gewöhnlichen Schneckengang eines Staatsdienſtaſpiranten gehen, bis ihm nach lan⸗ gen Jahren eine kleine Anſtellung zu Theil wird; dann heirathet er ein einfaches Mädchen und beſchließt ſeine Tage als kleiner Bureautyrann und willfähriger Diener jeder Regierung.

Sie haben Herrn Molling ſeit dem Abgang von der Univerſität nicht mehr geſehen? fragte Julie.

Wir ſind etwas unſanft von einander gegangen, erklärte Heinrich;ich kann nicht glauben, daß er ſich in ſo kurzer Zeit bedeutend veränderte.

Der Onkel hat ſich über ihn erkundigt, verſetzte Julie;er genießt das unbedingte Vertrauen des be⸗ rühmten Juriſten Dr. Rödern, bei dem er arbeitet.

Bei dem Demokraten! lächelte Heinrich höhniſch.

Nun, da iſt er in ſchlimmer Schule; man wird ſeine

Einfalt mißbrauchen, ihn vorſchieben. Ich kenne dieſe Idealiſten, dieſe Volksbeglücker, die das Volk für ihre eigenen Zwecke benutzen und, wenn es zum Handeln kommt, ſich aus dem Staube machen oder jüngere ehr⸗

geizige Kräfte in die Breſche ſtellen, unbekümmert, ob

ſie dabei deren Exiſtenz zu Grunde richten. Karl ein Demokrat mit ſeinem weichen Herzen! Nun, er wird zur Einſicht kommen. Vielleicht iſt es nur eine Rolle; möglicherweiſe gibt es einmal eine Revolution,

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