Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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der Schmeichelei, deſſen Süßigkeit der junge Fürſt bisher noch nicht gekoſtet, in die unbefangene Seele; er fachte zuerſt ſeinen edlen Stolz höher an und ſtachelte ihn, bis er die berechtigten Grenzen überſchritt und in Hochmuth ſich verwandelte; er wußte dem neuen Herrn die Verläſſigkeit der Diener des verſtorbenen Monarchen zu verdächtigen, und nach kurzer Zeit war Graf Ultritz zum erſten Miniſter ernannt, der wirkliche Regent des Reiches. Alle ihm mißliebigen Perſönlichkeiten wurden entfernt, die Preſſe gemaßregelt, der König durch eine vom Grafen abhängige Hofgeſellſchaft vom Volke ſorg⸗ fältig abgeſchloſſen, und der Monarch ſelbſt, in der Meinung, daß von dem für Alles ſorgenden Grafen, der für Alles die Mittel wußte, der über Alles befrie⸗ digende Auskunft geben konnte, das Nöthige geſchehen ſei, überließ ſich nun im Vollgefühle der Freiheit ſeinen Lieblingsneigungen.

Ein Freund der Natur und Poeſie, eilte er, ſobald der Miniſter es billigte, aus der Reſidenz auf ſeine Landgüter und genoß die harmloſen Freuden, nach denen ſein unſchuldiges Herz allein verlangte.

Sein Volk war ja glücklich und betete ihn an. Er durfte ſich ſagen, daß er ein guter Fürſt war, und gewiſſermaßen mit Recht er war einer jener Könige, welche noch nichts Böſes gethan.