Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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Jeden Morgen brachte ihm die Poſt den Bericht des Grafen Ultritz über den Zuſtand des Landes; Ergebenheitsadreſſen, überſchwängliche Huldigungen, Nachrichten über die begeiſterten Feſte zu Chren des jungen Monarchen aus den entlegenſten Städtchen ſeines Reiches verſicherten ihm jeden Tag aufs neue, daß ſein Volk ihn liebte, daß es mit ihm zufrieden und ſo glücklich war wie er ſelbſt.

Die Briefchen ſeiner Schweſter Eliſabeth, welche ihn aufforderten, in die Reſidenz zurückzukehren, und ihn unverhohlen vor dem Miniſter Ultritz warnten, warf er lächelnd beiſeite.

Sie iſt ein Kind, ſchrieb er dem Grafen,und ich begreife, daß ein ſechzehnjähriges Mädchen es nicht gern ſieht, daß ihr Bruder, der König, auf dem Lande lebt. Welche Hoffeſte, Concerte und Bälle gehen ihr dadurch verloren! Oder glauben Sie, daß Eliſabeth ehrgeizig genug iſt, auf den König noch mehr Einfluß zu gewinnen, als ſie auf den Bruder übt? Ich werde nie meines Vaters Rath vergeſſen ich werde nie einem Weibe Antheil an meiner Regierung gönnen auch nicht der Prinzeſſin⸗Schweſter.