Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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bemerkte der neue Herrſcher nicht viel; er hörte wohl den Lärm und die Feſtlichkeiten um ſich, aber Alles war ihm zu überraſchend gekommen, zu neu, zu fremd. Sein Vater hatte ihn niemals in die Regierungs⸗ geſchäfte eingeweiht, und ſo ſtand er plötzlich auf einem unbekannten Boden. Er beſaß den Willen, etwas Großes zu leiſten, er wollte ein guter König ſein, aber er hatte keine Ahnung, wie das eigentlich anzufangen ſei. In jugendlicher Schwärmerei hatte er oft ſchon daran gedacht, was er Alles ins Leben rufen wolle, wenn er einmal König ſein werde; er hatte Luftſchlöſſer gebaut wie alle Kinder, die ſich dies und das zu thun vornehmen, wenn ſie erſt einmal groß ſind. Jetzt ſah er ein, daß, was er ſich als ſo leicht vorgeſtellt hatte, recht ſchwierig war. Freilichaller Anfang iſt ſchwer gilt beſonders für Monarchen; man macht den An⸗ ſpruch, daß ſie unfehlbar ſeien, nicht irren ſollen, und der erſte Schritt auf falſcher Bahn iſt für ſie um ſo bedenklicher, weil es eben für ſie viel demüthigender iſt, umzukehren, als für gewöhnliche Sterbliche.

Graf Ultritz benutzte geſchickt dieſen Moment, in welchem der übrigens ſehr begabte, nur unerfahrene Jüngling gern eine Hand ergreifen mußte, die ihn un⸗ merklich durch das Labyrinth neuer Pflichten und An⸗

forderungen leitete. Graf Ultritz träufelte das Gift