Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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ſein: Jetzt bin ich König! Was wohl jeder Menſch, auch der beſte, an ſeiner Stelle gefühlt hätte, das em⸗ pfand der Kronprinz in dieſer Sekunde; er preßte die Hand aufs Herz und mit bleichem, ſtolz erhobenem Haupte, ohne die eingedrungene Volksmaſſe eines Blickes zu würdigen, ſagte der junge Monarch zu Ultritz:

Graf, Ihren Arm; führen Sie uns zu der Leiche unſeres theuren Vaters.

Der König war todt und:Es lebe der König! wurde dem neuen Herrſcher in allen Tonarten zuge⸗ rufen. Die Geſandten ſprachen es aus mit ſchmeicheln⸗ den, wohlgeſetzten Worten, die alten Diener des Ver⸗ ſtorbenen mit traurigem Neigen des Hauptes; ſie trugen eine gewiſſe väterliche Theilnahme gegen den jungen Herrſcher zur Schau, welche deſſen ſtolzes Gemüth ver⸗ letzte.Es lebe der König! rief das Beamtenheer aus Gewohnheit;es lebe der König! jubelte die ge⸗ horſame Armee;es lebe der König! hallte es durch die Reſidenz, donnerte es von den Wällen der Städte über das Land hin;es lebe der König! predigten die Prieſter von den Kanzeln, undes lebe der König! ſprachen die Augen ſchöner Frauen und Mädchen, offen oder verſtohlen, und gar Manche trug dem ſchönen Jüngling ein volles Herz entgegen. Von alledem