Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
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Vertreter der Regierungspreſſe, alle, die an dem Ab⸗ leben des Königs zunächſt intereſſirt waren, fanden ſich nach und nach ein. Nur eine Perſon fehlte noch in dem Trauerhauſe: der Kronprinz. Da ſchallen Huf⸗ ſchläge von der Straße herauf, jugendliche eilige Schritte ertönen auf dem mit Marmor gepflaſterten Gange und auf der Schwelle des Vorzimmers zeigt ſich eine hohe edle Geſtalt. Einen Augenblick bleibt der Kronprinz ſtehen und prüft die fremden Geſichter um ihn her. Keine Hoffnung mehr! ſagen ihm alle Mienen.

Da öffnet ſich die Thür, die zu den königlichen Appartements führt. Graf Ultritz tritt heraus; ſeine ſonſt ſchlaffen Züge ſind heute ſeltſam bewegt.

Der König iſt todt! verkündigte er mit lauter Stimme.

Jetzt erſt bemerkt er den Kronprinzen; einen Mo⸗ ment wankt der königliche Jüngling, greift in die Luft, als ob er ſich irgendwo halten müſſe, um nicht umzu⸗ ſinken; dann zuckt es über ſein Angeſicht hin, wie wenn der Sturm Gewitterwolken jagt und der helle Sonnen⸗ ſtrahl dazwiſchen hineinſcheint.

Namenlos tief und innig war des Knaben Schmerz, denn er liebte den Vater, er beſaß ein gutes kindliches Herz; aber inmitten der Nacht des ſo unerwarteten Kummers ſtrahlte ein ſtolzer Stern auf, das Bewußt⸗

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