174 Der alte Commodore.
ihre Fehler und Mängel abzugewöhnen ſuchte. Welch
ein allgemeiner Vorwurf lag darin für viele, viele Leute!
Bei alldem verderbte Admiral Bacuiſſart Einen Mann, und dieſer Eine war Daniel O'Sullivan. Da⸗ niel ſchlenderte beſtaändig zu Treſtletree⸗Hall herum, verſchmähete alle Arbeit, machte alle Männer eiferſüch⸗ tig und alle Weiber confus, und ſtiftete auf der Welt weiter keinen Nutzen, als daß er kleine Kriegsſchiffe zimmerte, an denen er des Commodore breiten Wimpel herabflattern ließ. Er ward ein überaus abſcheulicher, unbändiger Lügner.
Gegen das Ende ſeines Lebens gab Sir Octavius ſelbſt ſich der Aufſchneiderei hin; beſonders that er dieß nach dem Eſſen und in großer Geſellſchaft. Bei jeder ſolcher luſtigen Sitzung führte er ſein Gefecht gegen Monſieur Fresnoy und»la Magnifique“ vor. Anfäng⸗ lich, und bis etwa zwei Jahre nach dem Ereigniß, be⸗ gnügte er ſich damit, dem Daniel befohlen zu haben, den Admiral unter die Krampe zu legen; dann hatte Sir Octavius dieſes mit eigener Hand gethan, hatte jedoch nicht bloß den Admiral, ſondern auch deſſen Flot⸗ tenkapitän eingeſperrt; und wenn er zu dieſem Theile der Geſchichte gelangte, mußte jedesmal O'Sullivan herein und die Wahrhaftigkeit der Darlegung bezeugen — und ol was für ein Mann war Daniel O'Sullivan, wenn's an Bezeugen ging.—
Der glorreiche alte Sir Octavins Bacuiſſart iſt nun in ſeine Gruft geſunken; er ſtarb geehrt, geliebt und betrauert. Sein letztes Lebensjahr verfloß ihm inmit⸗ ten ſeiner Enkel beſonders ſegensreich. Er iſt zetzt im Himmel— mich dünkt, es würde gottlos ſein, wenn man anders urtheilte. Seine weitläufigen Beſitzungen gingen auf ſeinen Eidam über, der von ſeinem ererb⸗ ten und erworbenen Gute einen edlen Gebrauch macht. Lady Aſtell und Mathilde wandeln nicht mehr unter den Sterblichen; ſie verſchwebten wie duftige Lichter, die ihren Weihrauch emporſenden. Ich ſtehe faſt al⸗ lein; nur Underdown, der ſanfte, fromme, freundliche Underdown iſt mir noch aufbehalten worden. Habe ich, Alles wohl erwogen, nicht des Glückes genug auf Erden?


