Teil eines Werkes 
3. Theil (1838) Der alte Commodore : in drei Theilen / von Capt. Marryat, Verfasser des: "Peter Simpel," "Ardent Troughton," "der fliegende Holländer" [et]c. ; aus dem Englischen von Dr. G. N. Bärmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

170 Der alte Commoddre⸗

Dir einen Sohn und eine Tochter dafür. Werft Euch ihr zu Füßen, meine Kinder!«

Was iſt das? Wer iſt dieſer Jüngling? Denn

Auguſtus, der vor ihr knieete, hatte ihre Hand bereits ergriffen und benäßte dieſelbe mit ſeinen Thränen⸗ »Mutter!« rief der Jüngling und das Wort

zuckte wie ein elektriſcher Funken durch Lady Aſtell's

danzes Weſen. Sie ſank in des Sohnes Arme und weinte.

» Laſſen wir ſie ein Weilchen mit ihm allein,« ſagte Sir Octavius, und Alle entfernten ſich mit einer Ehr⸗ furcht gleich der, in welcher wir eine geheiligte Stätte zu betreten pflegen. Und war etwa jenes Familien⸗ zimmer in dieſem Augenblicke kein Tabernakel? Wirkte der Geiſt des Ewigen etwa nicht daſelbſt ſein ſegenvol⸗ les Werk, indem er die lange ihres Sohnes beraubt geweſene Mutter ſtärkte und erquickte?

An dem Tage auch ſah man ein ſeltſames Schau⸗ ſpiel zu Treſtletree⸗Hall. Vorreiter, Reitknechte und Diener in Schwarz gekleidet ſah man, allein an ihren Hüten wehten weiße Bänder, und große Blumenſtraäͤuße trugen ſie vor der Bruſt, und ſchwarz behangene Pferde und Trauerwagen rannten und rollten durch den Park im Galopp nach Haus Aſtell, indem Kutſcher und Reit⸗ knechte und Diener Halloh und Huſſah riefen, wie wenn ſte Schulbuben geweſen wären, denen der Lehrmeiſter einen Erholungstag ſchenkte. Und die ſchwarze Kut⸗ ſche mit ihren trauerbehangenen Pferden und ihrer trauerbekleideten Dienerſchaft verſchwand wie durch Zau⸗ berſelag und ward nimmer wieder in der Grafſchaft geſehen.

Aus einem Zimmer, in welches man ſie geführt hatte, entſendete Lady Aſtell einen ſchweſterlichen Brief an den alten Commodore, worin ſie dieſem ſagte, wie ſie beablichtigte für einige Tage bei ihm zu wohnen. Erſt als es zur Mittagstafel ging, zeigte ſie ſich aber, ol wie verändert: Sie war ganz weiß gekleidet, und auf ihrer Matronenhaube trug ſie friſche Roſen. Von ih⸗

rem Sohne und ihrer Nichte geführt, trat ſie in den

Speiſeſaal, wo ſie, ohne ein Wort zu ſprechen, zu ih⸗ rem Bruder ging und ihn umarmte..