Der alte Commodore. 147
Tochter las ihm vor. Das Licht der Lampe ſiel auf der Letzteren Angeſicht— ein Antlitz, Rebekka, das mir damals als überirdiſch erſchien— eben weil ich es unter ſo beſonderen Umſtänden und in ſo beſonderem Lichte zum erſten Male erblickte. Ich beſann mich kei⸗ nen Augenblick, ſondern trat keck in den Laden. Vater und Tochter zeigten ſich fein höflich gegen mich. Ich hatte mich ohne Weiteres dem Erbarmen der Tochter überantworten und ihren Schutz erflehen wollen, aber ehe ich noch den Mund öffnen konnte, nahm der Vater das Wort. 3
»'Apparemment, Monsieur,“ ſagke er, wollen Sie erſt gewaſchen und dann raſirt ſein?⸗.
»Ein Blick in ſeinen kleinen Spiegel belehrte mich über die Zweckmäßigkeit ſeiner Frage. Ich verbeugte mich ſchweigend; die junge Dame brachte mir ein Becken mit Waſſer und ein Handtuch, und verließ den Laden durch eine innere Thür. Ich wuſch mich, und ergab mich dann meinem Schickſal, indem ich mich zum erſten Mal in meinem Leben, ohne etwas davon zu wiſſen, raſtren ließ. Nachdem die Operation ſchon längſt vorbei war, wußte ich noch nicht, was ich ſagen ſollte; ich wünſchte, daß das hübſche Mädchen wieder hereinkommen möchte, und ſaß ſchweigend auf meinem Stuhle, freute mich je⸗ doch, daß mein äußeres Erſcheinen ein wenig menſchlicher geworden war. Endlich ſah ich mich gezwungen, zu be⸗ kennen, daß ich nicht nur kein Geld hätte, ſondern ein eben entſprungener Kriegsgefangener wäre. Mr. Flo⸗ rentin, denn dieſen Namen führte der Eigner des La⸗ dens, wußte nicht, was er mit mir anfangen ſollte. Verrathen wollte er mich nicht, doch glaube ich, daß er große Luſt hatte, mich zur Thür hinauszuwerfen. Zu
meinem Glücke rief er Mademoiſelle herunter, um mit . 1
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