146 Der alte Commodore.
umherſpähete. Er, der nach Geſichtern und Strohhüten haſchte, wird die Herzen nicht ungeſtohlen gelaſſen haben.“
Auguſtus erröthete, als ob die Weiberkleidung, welche er trug, ihm natürlich geweſen wäre; ja, er er⸗ röthete mehr als irgend eine alte Jungfer es viel⸗ leicht gekonnt haben würde. Rebekka fühlte ſich für einen Augenblick die Tochter des alten zornmüthigen Commodore; es kribbelte ihr in allen Fingerſpitzen. Ueber einen gewiſſen Punkt verſtand ſie keinen Spaß, und über dieſen Punkt war die dussaela ſene Roſa ſo eben geſtolpert.
Es entſtand eine etwas peinliche Pauſe, die Auguſtus dadurch ausfüllte, daß er ſein Steifkleid zurechtpuffte, und ziemlich albern ausſah. Roſa erkannte, daß ſie zu weit gegangen war; ſie ergriff daher Rebekba's Hand,
küßte dieſelbe, ohne ein Wort zu ſagen, mit Innigkeit, und aus den Augen der Erbin von Treſtletree⸗Hall leuchtete wieder der Glanz der Harmloſigkeit. Auguſtus fuhr fort.
»Endlich fand ich ein ſchöneres Geſicht, als ich je⸗ mals geglaubt hatte, eines anzutreffen.«
„Wo?« unterbrachen ihn beide Mädchen in Einem
Athem.
„ Wirklich war es die höchſte Zeit dazu, denn der Anruf der Patrouille drang ſchon von fernher in mein Ohr. Ich ſagte, ich fand das Geſicht zu rechter Zeit, doch mag ich kaum ſagen, wo ich es fand. Du, Rebekka, wirſt, oder mindeſtens Roſa wird darüber kachen, und das würde meinem Herzen ſehr wehe thun—
»Ich werde nicht lachen— ſprich weiter, Auguſtns.⸗
Sch fand das wunderhübſche Geſicht in einem un⸗
anſehnlichen Friſir: und Barbierladen. Der Haarkraͤu⸗ ſeler nppiete eben eine alte t, Delc⸗ auf, Pnd 1 ſeine


