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Der alte Commodore. 13
den Salat;»jetzt Roſalie, mein Kind, iß ſo behaglich als Du kannſt.«
Roſalie aber wollte dem Vater nicht geſtatten, ein wenig von dem ſchwachnährenden Kraute auf ihren Tel⸗ ler zu legen, ſondern ſchob ihm ſogar ihr eigenes Pfen⸗ nigsbrot hin, indem ſie ſagte:»Ich habe ſchon zu Mit⸗ tag gegeſſen, Papa. Sieh, hier liegen noch die Kru⸗ men davon. Vergieb, daß ich nicht auf Dich wartete.«
»Wie iſt das möglich, mein Kind. Hatten wir doch weiter keine Speiſe im Hauſe als dieſe?«
»Und das Erröthen, das von ihrer Schönheit, ihren Tugenden und ihrer kindlichen Liebe ihr verſagt ward, erſchien jetzt, von Schaam hervorgerufen, auf ihren Wangen, als ſie die Lüge ſprach; allein ihr Herz war doch dabei um ſo glorreicher rein.
»Es iſt wahr, mein Vater,« entgegnete ſie, aber ich habe einige Pfennige für das Ausbeſſern einer Kante erhalten, und die gute Frau, die über uns wohnt, be⸗ ſorgte mir dafür ein Brot und ſogar etwas Fleiſch. Nochmals verzeihe mir, daß ich nicht auf Dich wartete, aber ich bin— ich war ſehr hungrig.«
»Verzeihen? Dir?« verſetzte der Vater, der an dem einen Brötchen käuete;—»Nein, Roſalie,« und hier verſchwand die Hälfte des Salates—»ich ſollte Dich vielmehr um Verzeihung bitten,«— jetzt ward das zweite Brötchen verzehrt—»daß ich nicht beſſer für eine Tochter ſorge, die«— des Salates andere Hälfte ging jetzt der erſteren nach—»allzeit ſo liebenswürdig iſt.« Und das Mahl war verzehrt.»Le voilà tout mangé! Danken wir Gott für das, was wir hatten, obwohl fürwahr mich noch tüchtig hungert.« 6
Der ehrliche Franzoſe gewahrte nicht den Wolfs⸗ blick, der aus den Augen ſeiner Tochter ſchoß, als er


