Der alte Commodore.
»Guter, gnädiger, huldvollſter König,« antwortete Lady Aſtell,»iſt jener wilde, jähzornige Mann wohl tauglich, den Befehl über Ihrer Majeſtät beſte und brabſte Unterthanen zu führen? darf er ſie quälen und erkränken?
Dieß war Berührung eines kitzlichen Punktes. Ei⸗ nen beſſeren Seemann und einen tüchtigeren Schiffs⸗ befehlshaber gab es im ganzen Lande nicht. Das wußte der König; auch gedachte er der vieljährigen Dienſte, und des verſtümmelten Körpers, und der zer⸗ ſtörten Geſundheit des Commodore. Ueberdieß ver⸗ mochten bei damaliger Beſchaffenheit der Flotten⸗ diſciplin nur harſche und entſchloſſene Charaktere, wie Sir Octavius einer war, den kecken Geiſt des Tages zu beherrſchen und zu beugen. Deßgleichen erwog Seine Majeſtät, daß, wenn Auguſtus ein gewöhnlicher Menſch geweſen wäre, er, wie Tauſende vor ihm,
ſeine Hiebe hingenommen haben und nach geziemend
ausgeſtoßenen Schimpfreden wieder an ſeine Pflicht ge⸗ gangen ſein würde, um ſpäterhin Anderen die Katze zuzuerkennen. Alles wohl bedacht, hatte der Commo⸗ dore nur ein unbeſtrittenes und allgemein angewen⸗ detes Vorrecht ausgeübt. Es war kein Hader zwi⸗ ſchen ihm und dem Dienſt— er hatte, nach damaliger Folgerung und Außerung der Leute, kein eigentliches Unrecht begangen, obwohl ein ſolches als höchſt ſchwer
zwiſchen Bruder und Schweſter obwalten mochte.
„»Meine theure Lady Aſtell,« ſagte der Monarch mit Zartſinn,»Sie können unmöglich glauben, daß Sir Octavius den Wunſch hegte, ſeinen Neffen zu ei⸗ nem Selbſtmörder zu machen.«


